Aktuelles vom MDK

Der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) Berlin-Brandenburg hat noch keine Umsetzungsrichtlinien vom Dachverband (MDS), um die neue S3-Richtlinie anzuwenden. (Die wurde im Oktober 2018 veröffentlicht.) Das muss alles erst mit den MDKs der einzelnen Länder abgestimmt werden. Erst Anfang oder Mitte 2020 ist damit zu rechnen.

Bedeutet: Epilation, Logopädie, FFS (Facial Feminisation Surgery = operative Gesichtsangleichung) werden zwar in der S3-Richtlinie genannt als sinnvolle Maßnahmen vor dem sogenannten “Alltagstest”, aber der MDK weiß offfiziell noch gar nichts davon. Wenn diese Maßnahmen am Beginn der Begleittherapie beantragt werden, können sie abgelehnt werden. Dann bitte Widerspruch einlegen und auf die S3 verweisen. Erst dann kann man auf eigene Kosten beginnen und später die Kostenerstattung einklagen.

Was jetzt schon geht: Die Fristen (18 Monate Begleittherapie) müssen nicht mehr unbedingt eingehalten werden. Mastek kann man z.B. schon nach einem Jahr beantragen. Aber: Für den früheren Termin muss im Psychotherapiebericht eine gute Begründung gegeben werden.

Bitte: Niemals auf eigene Faust irgendwas beantragen, die Begleittherapie ist dazu da, die einzelnen Schritte vorzubereiten und für die vollständigen Unterlagen zu sorgen! Schlecht geplante Anträge führen zu Ablehnungen, Frust und Zeitverschwendung.

Wie geht der MDK mit Intersexualität um?  Bisher ein Rätsel. Ich weiß von Fällen, wo IS unter “Trans” gesegelt sind, damit die Anträge überhaupt bearbeitet werden. Der MDK meint, dass bis jetzt noch nie Intersexuelle irgendwas beantragt hätten. Kunststück. Der Gentest beim Hormonarzt soll ja auch Intersexualität ausschließen. Nun: Wenn IS festgestellt wird, dann darf die Op (oder Mastek oder was immer) beim MDK beantragt werden, dann wird auch bewilligt.

Übrigens: Namens- und Personenstandsänderung beim Amtsgericht ist für IS ganz leicht, wenn das Ärzte-Attest eindeutig ist. Psychologische Gutachten sind nicht nötig. Da hätte es nicht den neuen Seehoferschen Schleichweg beim Standesamt gebraucht.

Übrigens: Wer sich beim Standesamt (oder beim Amtsgericht – mir noch nicht begegnet -) den “d”-Personenstand geholt hat (d=divers), hat beim MDK kein Problem. Dn MDK interessiert das nicht.

Bisher auch ein Rätsel: Retransition (oder Detransition). Aus anderen Bundesländern höre ich, dass z.B. eine Jetzt-wieder-Frau mit Bart heumlaufen muss, weil der dortige MDK noch nie was von Retransition gehört hat. Stur bleiben, Widerspruch! Der Berliner MDK verspricht ordentliche Bearbeitung (wenn die eingereichten Unterlagen ordentlich sind).